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pi±tek, 12 grudnia 2008

 

1, 2, 3, 4, 5, 6... 20
Piotr zählt die Zimmer in seinem neuen Haus und hört beim zwanzigsten auf. Der ehemalige Besitzer sagte, dass es vor dem Krieg 36 Zimmer gab, sowie einen Keller und ein Verlies.
„Es fing alles harmlos an. Schon immer wollte ich raus aus der Stadt" - erzählt Piotr. „Als ich noch in einer Computer Firma arbeitete, wollte ich nach Bieszczady umziehen und dort Computerprogramme entwickeln. Ich wechselte einige Male meinen Job, die Zeit lief und ich war immer mehr davon überzeugt, dass ich etwas ändern musste".
Vor fünf Jahren begannen Piotr und Joanna einen Bauernhof in Masuren zu suchen. Sie fanden Masuren anziehender als Bieszczady. Schon nach zwei Wochen waren Sie der Meinung: Jetzt ist es an der Zeit unsere Träume zu erfüllen und etwas Besonderes zu tun. Vier Monate verbrachte Piotr in seinem Auto und besichtigte mehr als vierzig Paläste und Höfe in den Masuren. Zufällig stieß er auf Nakomiady (Eichmedien). Es liegt zwischen Mr±gowo (Sensburg), Kêtrzyn (Rastenburg) und Ryn (Erhein). „Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich wusste, dieser Palast und nichts anderes."
Zuerst kauften sie den Palast mit dem umliegenden Park von der Gemeinde, dann ein Teil des Grundstücks von den Bauern und am Ende den Gutshof. Innerhalb von drei Jahren waren sie Besitzer von zwei tausend Quadratmetern Wohnfläche, einem großen Park mit alten Bäumen und Gutshofgebäude sowie 170 Hektar Grund geworden.

In der ersten Hälfte des 17ten Jahrhunderts
gehörte Eichmedien, so hieß Nakomiady vor dem Krieg, dem preußischen Diplomaten Jan von Hoverbeck. Baron von Hoverbeck war Landsbote des brandenburgischen Kürfürsten Frederik Wilhelm. Für seine Verdienste bekam er das Landgut Eichmedien und, laut der Legende, so viel Grund, wie er an einem Tag mit seinem Pferd umreiten konnte. Dazu erhielt er mehrere Privilegien, wie das Recht eigene Bienenstöcke zu besitzen und das Recht in den nahe liegenden Seen zu fischen.
Der Palast wurde im Jahre 1680 gebaut. Anfang des 17.ten Jahrhunderts wurde er vom italienischen Architekten Josef Piola umgebaut und bekam so sein klassizistisches Aussehen. Die Familie Hoverbeck wohnte hier 136 Jahre lang. Eines Tages, so die Legende, kam ein verletzter Soldat nach Eichmedien. Er wurde dort herzlich empfangen und sorgsam gepflegt. Ganz besonders kümmerte sich eine junge Dame um ihn, die sich in ihn verliebte. Als der Soldat wieder zu Bewusstsein kam, verließ er den Palast ohne ein Wort zu sagen. Die verliebte und schwangere Dame sprang daraufhin aus dem Palastfenster auf die darunter liegende Steintreppe, auf der seitdem die Silhouette eines Herzens erscheint.

 

Die Arbeiten im Palast liefen seit Monaten,
saniert waren jedoch bisher nur die unterirdisch liegenden Teile. Das Verlies stand unter Wasser, die Wände waren nass und von Frost zerfressen. Es gab weder Fenster noch Türen. Der östliche Palastflügel hatte kein Dach. Die Lauben mussten abgerissen und neu gebaut werden. Drei Jahre lang schaffte man Tag für Tag mit zwei Anhängern den Schutt weg. Piotr und Joanna schliefen im Auto. Dazu erlebten sie noch einen „Ansturm" von vielen Bekannten. „Nie zuvor oder danach aß ich so viel gegrillte Wurst" - lacht Piotr.
Um vor dem Palast neuen Rasen anzupflanzen, mussten sie 450 Tonnen Erde auffüllen. Um die Ränder des Teiches zu befestigen, brauchten sie 200 Tonnen Steine. Fünf Jahre lang sah für Piotr und Joanna jedes Wochenende gleich aus. Freitags Nachmittag fuhren sie aus Warschau nach Masuren. Sie prüften, ob alles in Ordnung war, organisierten die Arbeit, machten Pläne für die nächste Woche, und fuhren sonntags zurück. Auf diese Weise pendelten sie ca. 200.000 Kilometer.
Joanna brauchte mehr Zeit, um sich an diese Situation zu gewöhnen. Eines Tages stürzte sie beim Reiten vom Pferd und brach sich ihre linke Hand. Vom Krankenhaus aus rief sie Piotr an und sagte er solle sie nach Hause bringen. „Zum ersten Mal, meinte ich Nakomiady" - sagt Joanna.

Im Jahre 1789
kaufte der preußische Beamte Friedrich Redecker den Palast für 36.000 Taler. Eichmedien gehörte der Familie über 150 Jahre lang.
Nach den napoleonischen Kriegen rettete die Ehe Hermanns von Redecker mit Augusta von Troth den bankrotten Palast, da Augusta über ein großes Vermögen verfügte. In der Familienchronik steht geschrieben: „Unsere Familie bemüht sich Eichmedien zu altem Glanz zu bringen, und jeder macht dies aus großer Liebe zu unserem neuen Wohnsitz".
Anfangs des 20ten Jahrhunderts wurde der Palast ein wenig umgebaut. Eingerichtet wurden unter anderem neue Lauben und ein Seiteneingang - in den 20ger Jahren diente er als Einfahrt für das neu erfundene Auto. Im Jahre 1933 wurde der Palast versteigert. Eberhard von Redecker wurde hiernach zum Verwalter des Landgutes, bis im Jahre 1945 schließlich die Rote Armee Ostpreußen besetzte.
Nach dem Krieg wurde das Landsgut zum PGR (LWG). In dem Palast wurden Büros, Wohnanlagen und ein Kindergarten eingerichtet. Nach einigen Jahren ebbten die Vorbehalte, dass das Gut ohnehin noch als deutscher Besitzt anzusehen ist, ab. Man fühlte sich jedoch auch nicht wie zu Hause. Im Park wurde eine Tankstelle gebaut und im schönen Teich wurden Schlepper gewaschen. Der Palast wurde zur Ruine. In den 80er kam man zu dem Schluss endlich eine Sanierung in Angriff zu nehmen. Jedoch kam die Wende in der DDR dieser Sanierung zuvor und die Pläne wurden rasch wieder fallen gelassen. Alles was noch von Wert war, wurde gestohlen. Die Linden, die das Landgut umrandeten, wurden gefällt um als Heizmaterial verwendet zu werden.


Heute
wohnen Piotr und Joanna in zwei sanierten Räumen. Sorgfältig sammeln sie die alten, wieder gefundenen Elemente der Palastausstattung. Alte Kacheln (ein Teil aus den 17. Jh. und zwei aus den frühen 19. Jh.) fand Piotr auf der Müllkippe. Originelle Türbeschläge überstanden auf den zugemauerten Türen. Ein Stück Balustrade, der als ein Tannenbaumständer diente, kaufte Piotr für 43 Zloty im Dorf auf.
Künftig werden Piotr und Joanna hier dauernd wohnen. Der Palast soll eine touristische Attraktion werden. Nicht als ein Hotel sondern als ein Gästehaus, das die Küche, Tradition und Kultur der Region wiedergibt.
Die alten Besitzer des Palasts stellten Piotr und Joanna die Familienfotografien und - Archive zur Verfügung. Jedes Jahr verbringen die Mitglieder der Familie von Redecker ihre Sommerferien in Nakomiady. Eberhard von Redecker - Ritter der Johanniterorden - feierte dort seinen 95en Geburtstag. Bei dieser Gelegenheit wurde eine Gedenktafel mit seinem Namen auf einer 300 Jahre alten Esche - seinem liebsten Baum, auf welches er als Kind kletterte - eingerichtet.
Piotr und Joanna haben nicht viel Zeit um Bücher zu lesen. Ständige Besucher beim Tischler, Holzschnitzer, Steinmetz, Gespräche mit dem Architekt. Das Leben der Palastbesitzer ist kein Märchen, auch wenn es so aussehen mag, wenn die Beiden mit einem alten Kater auf der Veranda sitzen.

 


Im Jahre 2005 starb Eberhard von Redecker. Nach seinem letzten Willen wurde er in Eichmedien (Nakomiady) begraben. Im Oktober 2006 wurde nach vier Jahren Anlauf im Palast eine Keramikmanufaktur eröffnet, die nun ihre Ware in ganz Polen verkauft.

Copyright (text): Aleksander Lesiak, Copyright (photos 2,3): Magdalena Pacana, www.nakomiady.pl


 

16:57, aleksander.lesiak , DEUTSCH
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